Von 2D zu 3D: Wie digitale Antragsstrecken den Breitbandausbau beschleunigen

BIM-Breitband Abschlussveranstaltung

Der Glasfaserausbau in Deutschland kommt voran, doch der Fortschritt wird selten im Tiefbau ausgebremst. Er stockt dort, wo Papier, PDF und 2D-Pläne auf komplexe Genehmigungslandschaften treffen: in den Zustimmungs- und Genehmigungsverfahren. Genau diese digitalen Antragsstrecken standen im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung des Forschungsprojekts BIMBreitband, an der wir mit unserer FTTx-Software Gridbit teilgenommen haben.


Im Breitbandausbau sind viele Akteure beteiligt: Netzbetreiber, Planungsbüros, Tiefbauunternehmen, Kommunen, Leitungsträger und Genehmigungsbehörden. Jeder Antrag durchläuft mehrere Abstimmungs- und Zustimmungsschleifen, häufig mit Medienbrüchen, uneinheitlichen Formaten und Rückfragen, die Wochen kosten.

Das Problem ist damit selten der Bau selbst, sondern der Umgang mit Informationen. Wo Pläne in unterschiedlichen Systemen liegen, Rückmeldungen per E-Mail laufen und jede Behörde eigene Anforderungen an die Unterlagen stellt, entstehen Verzögerungen, bevor überhaupt der erste Spatenstich erfolgt.


Hier setzt das Innovationsprojekt BIMBreitband an. Es wurde im Rahmen des Förderprogramms mFUND vom Bundesministerium für Verkehr (bzw. dem früheren BMDV) gefördert, lief über rund drei Jahre und hat untersucht, wie sich Genehmigungsverfahren im Breitbandausbau mit der BIM-Methode (Building Information Modeling) und GIS-Daten beschleunigen lassen. Beteiligt waren unter anderem der Landesbetrieb Geoinformation und Vermessung Hamburg, die Ruhr-Universität Bochum, die STRABAG, die VSK Software GmbH und die planen-bauen 4.0 (Quelle: BIMBreitband, Projektseite des BMV).

Die zentrale Idee: Anträge nicht länger in 2D-Plänen einreichen, sondern modellbasiert in 3D. Statt statischer Zeichnungen liefern digitale Bestands- und Planungsmodelle eine nachvollziehbare, prüfbare Grundlage für Zustimmung und Genehmigung. Das Prinzip dahinter lautet: erst digital, dann real.


Damit modellbasierte Verfahren funktionieren, braucht es einheitliche Sprachen zwischen den Systemen. Das Projekt baut daher auf offenen Standards auf, etwa XBreitband und XTrasse für den Informationsaustausch sowie IFC und BCF aus der OpenBIM-Welt (Quelle: BIMBreitband, Lösungsansatz).

Ergänzt werden sie durch Modellierungsrichtlinien und Informationsanforderungen (LOIN), die festlegen, welche Daten ein Antrag in welcher Tiefe enthalten muss. Der Effekt ist eine durchgängige, interoperable Antragsstrecke – von der Antragstellung über die Prüfung bis zur Genehmigung, ohne Datenverlust an den Schnittstellen. Perspektivisch lassen sich Prüfprozesse auf dieser Basis sogar teilautomatisieren.


Als das Projektteam praxisnahe Perspektiven suchte, wurden wir als Software-Experten in einem Interview zum Thema befragt: Wie sieht die modellbasierte Antragsstrecke tatsächlich im Projektalltag aus?

Der Grund dafür ist unsere Schnittstelle von Gridbit zum Breitbandportal, über die sich Planungs- und Dokumentationsdaten aus dem FTTx-Projekt strukturiert in den Antragsprozess überführen lassen. Gridbit bündelt Netzplanung, Baufortschritt und Dokumentation, inklusive digitaler 3D-Modelle der Baustelle, in einer zentralen Plattform. Genau diese durchgängige Datenbasis ist die Voraussetzung dafür, dass modellbasierte Anträge nicht als Zusatzaufwand, sondern als Nebenprodukt sauberer Projektarbeit entstehen.


Mit der Abschlussveranstaltung geht ein gelungenes Forschungsprojekt zu Ende. Der spannende Teil beginnt jetzt: die Überführung in die Praxis.

Aus unserer Sicht sind dafür zwei Dinge entscheidend. Erstens bundesweit einheitliche Standards, damit modellbasierte Anträge nicht an Ländergrenzen oder Behördenpräferenzen scheitern. Und zweitens ein Blick über den Glasfaserausbau hinaus: Digitale Antragsstrecken auf Basis offener Standards sind kein Glasfaser-Sonderweg, sondern könnten der gesamten Infrastrukturbranche zugutekommen.

Der Breitbandausbau wird nicht allein schneller, indem mehr gebaut wird, sondern indem schneller genehmigt wird. Modellbasierte, durchgängig digitale Antragsstrecken sind dafür einer der wirksamsten Hebel. Wir danken dem BIMBreitband-Team für die Einladung und den Austausch und arbeiten mit Gridbit weiter daran, den Glasfaserausbau planbarer, transparenter und effizienter zu machen.